Erinnerungen verbinden Alt und Jung

Lesung in der Konradstr. 60a

Am Dienstag, den 15.3.16 um 14.30 Uhr fand in der Konradstr. 60a – im Saal der Internationalen Frauen e.V. – eine  denkwürdige Begegnung statt. Schüler/innen der 16.Oberschule von der Free your mind-Gruppe und den Bücherwürmern waren zahlreich erschienen. Sie folgten damit einer Einladung der Autorengruppe „WortArt“, die ihr Projekt „Lebenswege. Zeitgeschehen in Wort und Bild“ vorstellte. Ziel des Projektes war es, ein Erinnerungsbuch zu erarbeiten. Es befinden sich darin Erlebnisberichte von sieben Seniorinnen aus dem Leipziger Osten, die älteste 1922 geboren. Wie erlebten die Autorinnen, heute zumeist Großmütter, Krieg und Nachkrieg? Wie erging es jungen Familien in der DDR? Von Lehrjahren um 1960 wurde berichte. Erste Liebe aber auch die Zeit der Kindheit wird im Bild lebendig: „als wir die Kreisel pflanzten zwischen Pflasterstein“. 

 

Wir hatten selten so aufmerksame Zuhörer, was in den interessanten Fragen der Schüler zum Ausdruck kam. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung? Ja, da es uns gelang, das Bewusstsein zu wecken dafür: Erinnerungen sind kostbar. Sie bilden die „Brücke über dem Strom der Zeit“, wie es Monika Trinkaus in einem ihrer Texte formulierte. Erinnerungen verbinden das Damals mit dem Heute. Die Kenntnis der Vergangenheit lehrt uns, die Zukunft zu gestalten.

Diesen Auftrag gaben wir weiter an die Schüler: Befragt Eure Eltern, die Großeltern, solange dazu noch Zeit ist. Mitunter kann es wie eine Befreiung sein, das auferlegte Schweigen zu brechen.

Dass eine 93-jährige Seniorin in der Lage ist, ihr Leben am PC aufzuschreiben, erregte Erstaunen, ja Bewunderung. Frau H. wurde gefragt, ob die Kriegsereignisse (2 schwere Bombenangriffe auf Leipzig, die sie so hautnah miterlebte) sie verstört hätten, wie es ihr nach Kriegsende möglich war, weiter zu leben. Eine gute Frage! Frau H. antwortete: „Es musste ja  irgendwie weiter gehen.“ Schlichte Worte, die uns zeigen, wie die Menschen damals reagierten: nach vorn, dem Leben zugewandt. Denn es ging weiter.

Es entspann sich eine Diskussion zum Leben in der DDR. Die Frage kam, ob es manchmal ein Bedauern gäbe, da doch auch Positives mit ihrem Ende verloren ging. Frau T. hatte zuvor berichtet über den inneren Reichtum des Familienlebens, über Zusammenhalt in den  50er Jahren. Die Autorin meinte nun, dass vergangene Werte nicht leichtfertig aufgegeben werden sollten. Allerdings wäre die Gegenwart vor völlig neue Anforderungen gestellt. Es sei legitim, ein wenig nachzutrauern, was verloren ging an Reichtum einfachen Lebens. Aber hergeben würde sie die Vorzüge der modernen Technik keinesfalls. Dies und anderes sei ihr vom Leben geschenkt worden. Dafür wäre sie – dafür sind wir - dankbar.

Wir musste die Fragestunde beenden, hoffend, dass es ein weiteres Mal geben möge. Danke für diese 90 Minuten, die wir miteinander erleben durften, war es doch eine Erfahrung, bereichernd für Jung und Alt gleichermaßen.

Helga Rahn,

Gruppe WortArt

Vielen Dank an Frau Rahn für die Organisation dieses Treffens, die zudem der Bibliothek der 16.Oberschule ein Exemplar mit persönlicher Widmung zur Verfügung stellte.

Susann Vahle-Westerhoff

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